Gesellschaftsrecht

Amerikanisches Gesellschaftsrecht und Firmengründungen in den USA

Für die meisten deutschen Einzelpersonen bzw. kleinen und mittleren Unternehmen stellt sich zunächst hinsichtlich des amerikanischen Gesellschaftsrecht die Frage, welche Gesellschaftsform sie wählen sollten, um ihr Gewerbe in den USA zu betreiben.

Der entscheidende Faktor bei der Beantwortung dieser Frage ist die Art der angestrebten Geschäftstätigkeit. Zum Beispiel würde ein Unternehmen, das lediglich die eigenen Produkte von seiner Muttergesellschaft in die USA importiert, um diese vor Ort zu verkaufen, eine andere Gesellschaftsform wählen, als ein solches, das für deutsche Investoren in den USA Grundstücke aufkauft und bebaut. Bevor eine Entscheidung über die passende Gesellschaftsform getroffen werden kann, muss die angestrebte Geschäftstätigkeit sorgfältig analysiert werden.

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Gesellschaftsformen

Typischerweise gewählte Gesellschaftsformen für die Geschäftstätigkeit in den USA sind unter anderem:

  • “Sole Proprietorship” (Einzelunternehmen)
  • “Branch Office” (Niederlassung eines ausländischen Unternehmer)
  • General Partnership – Vergleichbar mit einer GbR oder oHG
  • Limited Partnership – Vergleichbar mit einer Kommanditgesellschaft (KG)
  • Limited Liability Company (“LLC”) – Eine Hybridgesellschaft, die sowohl Eigenschaften einer Corporation als auch einer Partnership aufweist
  • Corporation – Vergleichbar mit einer Hybridgesellschaft aus AG und GmbH

Da „Sole Proprietorships“, „Branch Offices“ und „General Partnerships“ den Unternehmer einer unbegrenzten persönlichen Haftung aussetzen, werden diese Formen üblicherweise nicht von deutschen Geschäftsleuten in den USA genutzt.

Die Limited Partnership begrenzt die persönliche Haftung der beteiligten Partner und kann diesen Steuervorteile eröffnen. Ihre Struktur und Führung sind jedoch komplizierter als die einer einfachen Partnerschaftsgesellschaft. Darüber hinaus werden diese speziellen Eigenschaften von einem Unternehmer, der in normaler Art und Weise am Geschäftsleben teilnimmt, in der Regel berhaupt nicht benötigt.

Die „Limited Liability Company (LLC)“ erfreute sich vormals bei deutschen Unternehmern einer großen Beliebtheit, da sie es zuließ Einnahmen und Verluste, die in den USA erwirtschaftet wurden, in Deutschland wie solche einer Personengesellschaft behandeln zu lassen. Jedoch hat sich dies durch eine Entscheidung des Bundesfinanzhofs aus dem dem Jahr 2008 grundlegend geändert. In der Folge wurde die steuerliche Beurteilung einer amerikanischen LLC hoch problematisch. Es ist nicht ratsam in den USA als LLC Geschäfte zu tätigen ohne sich vorher über diese Thematik ausführlich von einem deutschen Steuerberater informieren zu lassen.

Für die meisten Unternehmer, die in normaler Art und Weise am Geschäftsleben in den USA teilnehmen, handelt es sich bei der Corporation um die passende Gesellschaftsform. Der verbleibende Teil dieses Textes behandelt hauptsächlich die Gründung und Führung einer Corporation.

Gründung und Führung einer amerikanischen Corporation:

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Gründung

Eine Corporation wird nach dem Recht des jeweiligen US-Bundesstaates gegründet. Die Corporation wird durch Registrierung bei dem jeweiligen Secretary of State (vergleichbar mit dem Handelsregister) gegründet. Der Vorgang ist relativ simpel. Es ist möglich die Gründung online anhand eines Musterformulars durch eine sogenannte Gründergesellschaft für ein paar hundert Dollar vorzunehmen. Für einen ernstzunehmenden Unternehmer ist die Gründung einer Corporation jedoch ein wesentlich komplexere Unterfangen.

Anders als in Deutschland gibt es keinen Beamten, der die Rolle eines Notars einnimmt und die Gründung der Corporation leitet.

Die Gesellschafter sind sowohl für den Inhalt der Gründungsdokumente — Gründungsvertrag („Articles of Incorporation“) und die Satzung („Bylaws“) — als auch für alle dazugehörigen Dokumente wie z.B. Beschlüsse selbst verantwortlich. Diese Dokumente legen die internen Regeln fest, welche zusammen mit dem Gesetz bestimmten, wie die Corporation agiert. Um sicher zu gehen, dass die Vorschriften in diesen Dokumenten genau den Vorstellungen des Unternehmers hinsichtlich Management und Betrieb der Corporation entsprechen, muss hierbei eine besondere Sorgfalt angewandt werden. Diese Regeln haben sowohl für die gegenwärtige als auch für die zukünftige Tätigkeit der Gesellschaft Geltung.

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Nach der Gründung – Unternehmensführung

Ist die Gründung der Corporation abgeschlossen, bedeutet dies nicht, dass sie bereit ist ihre Geschäftstätigkeit aufzunehmen. Wie auch in Deutschland sind weitere Schritte erforderlich. Die Corporation muss sich sowohl bei den jeweiligen bundesstaatlichen als auch bei den nationalen Autoritäten registrieren. Dies geschieht um die Anzeige und Zahlung der Einkommenssteuern, Sozialabgaben, Umsatzsteuern und Arbeitslosenversicherung zu ermöglichen. Zu diesen Zwecken müssen fortan regelmäßige Berichte erstattet werden. In manchen Staaten ist es zusätzlich erforderlich sich bei der örtlichen Steuer- und Wirtschaftsbehörde zu registrieren. Eine Bankverbindung muss eingerichtet werden, was im Einzelfall für ein ausländisches Unternehmen mit Schwierigkeiten einher gehen kann. Vermögens- und Haftpflichtversicherungen sollten abgeschlossen werden. Je nach Größe der Gesellschaft muss darüber hinaus eine Krankenversicherung für alle Arbeitnehmer abgeschlossen werden.

Es ist empfehlenswert schriftliche Arbeitsverträge für hochrangige und andere Schlüsselmitarbeiter vorzubereiten. Falls das Unternehmen in den USA ausländische Arbeitnehmer einstellen möchte, die ein entsprechendes Visum benötigen, muss dieses als Arbeitgeber bei dem Visumantrag mitwirken. In diesem Fall sind die Struktur der amerikanischen Gesellschaft und die Inhalte des schriftlichen Arbeitsvertrags für die Möglichkeit des Arbeitnehmers ein Visum zu erhalten entscheidend.

Obwohl keine dieser Anforderungen für sich genommen unüberwindbar erscheint, können sie, kumulativ oder falls die benötige Zeit von Relevanz ist, eine erhebliche Hürde für die Etablierung und den Betrieb eines Unternehmens darstellen. Die Hilfestellungen und Anleitungen eines Beraters mit einem tief gehenden Verständnis all’ dieser Thematiken kann den Prozess wesentlich vereinfachen.

Genau wie bei der Gründung der Gesellschaft, obliegt die interne Führung und die Einhaltung der rechtlichen Formalitäten in der Folge einzig den Gesellschaftern und dem Management. Auch weiterhin ist die Beteiligung eines Notars nicht vorgesehen. Wie bei einer deutschen AG oder GmbH müssen jährliche Berichte bei dem Secretary of State eingereicht werden. Alle weiteren Formalitäten sowie die Buchführung stehen in der alleinigen Verantwortung der Corporation und ihrer Führung. Es ist wichtig, dass die wesentlichen Tätigkeiten der Corporation angemessen autorisiert und in Beschlüssen aufgenommen werden. Hierbei müssen die formellen Anforderungen, wie etwa das Abhalten einer jährlichen Versammlung, beachtet werden. Die Ausgabe und Rücknahme von Aktien und deren Weiterveräußerung müssen mit einer großen Sorgfalt beaufsichtigt werden.

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Rechtsstreitigkeiten in Gesellschaftssachen

Trotz aller Anstrengungen seitens der Eigentümer und des Managements interne Konflikte zu vermeiden, können solche in der Folge dennoch entstehen. Üblicherweise werden solche Dispute von Anteilseignern mit gegenläufigen Interessen hinsichtlich der Corporation, ihrer Führung oder der Interessen und Rechte ihre jeweiligen Eigentümer vorangetrieben. In solchen Fällen kann eine ausführliche Dokumentation der vergangenen Entscheidungen, der Aktivitäten sowie die Einhaltung der rechtlichen Formalitäten durch die Führung eine entscheidende Rolle bei der Zurückweisung unbegründete Ansprüche spielen.

Michael Owens hat mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Beratung von deutschen Unternehmen in dem Bereich des amerikanischen Gesellschaftsrechts. Schwerpunktmäßig bezieht sich diese auf die Gründung und den Betrieb von Start-Up Gesellschaften in den USA. In Zusammenarbeit mit ortsansässigen amerikanischen Steuerberatern ermöglicht er eine einheitliche Planung und Ausführung eines Start-Up-Konzepts für seine Klienten, die in den USA geschäftlich aktiv werden wollen.

Darüber hinaus kann Herr Owens seine Klienten auch bei internen Meinungsverschiedenheiten, insbesondere hinsichtlich der vorliegenden Eigentümerverhältnisse, etwaiger Führungsansprüche sowie bei sonstigen Disputen beraten und ggf. diese vertreten. Dies gilt sowohl für die Corporation als auch für alle weiteren Gesellschaftsformen.